Sehr geehrter Herr Müller

Die NZZ am Sonntag ist die letzte Zeitung, die wir in unserem Sechs-Personen-Haushalt abonniert haben. Das Tagi-Abo fiel letzten Herbst unserem internen Kostensenkungsprogramm mit dem Namen “Progress 1” zum Opfer.

Die NZZ findet sich zwar ebenfalls noch in unserem Briefkasten, das jedoch nur so lange, bis die überwiesene Abo-Gebühr aufgebraucht ist. Die Einsetzung des neuen Feuilleton-Chefs, die Replik auf Lukas Bärfuss Kritik und das Schreibverbot für Oswald Iten taten das Übrige. Schlimmer noch (und das gab auch beim Tagi schlussendlich den Ausschlag zur Kündigung): Ich lese den gesamten Inhalt gratis auf meinem Schlau-Fon.

Bleibt also die NZZ am Sonntag: Seit vielen Jahren freue ich mich am Sonntag auf die Lektüre früh morgens, wenn alle anderen schlafen. Meine Älteste hat allerdings den Braten gerochen. Sie steht mittlerweile als Zweite auf und behändigt den Sportteil. Sie hat heute mit Interesse das moderierte Gespräch zwischen Nicola Spirig und Sophie Hunger gelesen. Sie meinte, es sei lang genug aber lesenswert.

Nun begab es sich heute Morgen, das ich ich auf dem Örtchen auf dem Handy herumdrückte. Ich bin ein fleissiger Nutzer von Facebook . Dabei durfte ich einmal mehr feststellen, dass ich fast alle Artikel, die ich soeben auf Papier gelesen hatte, kostenlos geniessen darf.

Wenn Ihr Herr Zürcher nach Mogadischu reist, eine seiner wunderbaren Reportagen schreibt und selber fotografiert, kostet das ein paar tausend Dollars. Für solche Geschichten gebe ich gerne Geld aus.

Kostenlos bleibt der Sermon der Spindoctors und Pressesprecher. Deshalb ist es wichtig, dass die Verlage schwarze Zahlen schreiben und unabhängig bleiben. Denn die Pressemitteilungen der Bundesämter oder das Communiqué der Stadtpolizei Zürich, die ihr Handeln rechtfertigt, interessieren mich nicht besonders, die Geschichten dahinter um so mehr.

Ich weiss, dass die NZZ am Sonntag in den letzten Jahren gut rentierte, indem sie - unter anderem - ihre Inhalte an die Abonnentinnen und Abonnenten verkaufte. Können Sie mir deshalb erklären, wie Ihr Geschäftsplan für die nächsten Jahre aussieht, wenn Sie nun die Artikel verschenken? Sollen wir uns familienintern zum Entlastungsprogramm “Optima römisch zwei” durchringen und die NZZ am Sonntag fortan nicht mehr abonnieren?

Uns ist es egal, Ihren Content gratis auf Facebook zu lesen.

Ich freue mich auf Ihre Antwort und verbleibe

mit freundlichen Grüssen

Michael Würtenberg

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