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Wie ich zur Fotografie kam

 

Vor fast dreissig Jahren habe ich eine Lehre als Zimmermann abgeschlossen. Und ich habe mir nie gedacht, dass ich einmal fotografieren würde. Nur das Fernweh, das gab es bei mir schon immer. Wen ich in der Anflugschneise des Flughafens arbeitete, donnerten jeweils die Flieger über den Kopf. Da wünschte ich mir, in einem der Flugzeuge zu sitzen und in die Ferne zu reisen.

 

1988 reiste ich mit einem Freund nach Holland. In Amsterdam kannte er eine Frau, die er treffen wollte. Sie war sehr hübsch, und offenbar gefiel ich ihr auch. Jedenfalls ermunterte sie mich, etwas länger zu bleiben. So musste der Dachboden warten, den ich mit meinem Freund umbauen wollte.

 

Sie war Fotografin, hatte einen festen Freund und  lebte in einer WG hoch über den Dächern von Amsterdam. Das Dach leckte. Sie liebte auch China. Sie war zu dieser Zeit schon mehr als zehn Mal im Reich der Mitte gewesen.

 

Wegen der schwierigen Verhältnisse und der Liebe zu China beschloss sie, mich mit auf eine Reise ins Reich der Mitte mitzunehmen.

Völlig unerwartet erhielt ich zwei Tage vor Abflug die Steuerrechnung. Mein Bruder überzeugte mich, dass es das Beste sei,

die Rechnung “dem reinigenden Feuer” unserer Holzheizung zu übergeben. So investierte ich die vorhandenen Mittel stattdessen in die Liebe, eine Reise und in meine Kamera-Ausrüstung.

 

Zuerst reisten wir von Hongkong aus quer durch China an die Grenze zu Tibet. Dort fotografierten wir Nomaden und Wanderarbeiter in einem Nest, das Hemahe hiess.

Das war 1989. Dann kam der reguläre Freund meiner Freundin nach China und ich musste mich verdrücken. So wanderte ich auf einen der heiligen Berge und fotografierte. Der Berg heisst Huashan und ist sehr schön. Ich habe grosse Füsse, was bei den chinesischen Pilgern für grosse Freude sorgte.

 

Der Freund meiner Freundin reiste wieder ab und ich in Peking an. Beziehungsmässig war es ein Desaster und wir ruckelten Ende Oktober mit der Transsibirischen Eisenbahn zurück nach Europa. In Moskau hatten wir Hunger und keine Bleibe. Das war am Jahrestag der Revolution, am 7. November 1989. Im Moskauer Technikmuseum erlaubte uns eine dicke Wärterin, auf einem riesigen Sofa zu schlafen bis der Zug weiter fuhr.

 

In Berlin stieg ich aus und meine Freundin blieb im Abteil sitzen, denn der Zug fuhr bis nach Amsterdam. Als ich aus der Halle des Bahnhof Zoos spazierte, rannten mir die Ossies mit den DDR-Pässen entgegen und riefen “die Mauer ist weg!”.

Ich hatte noch 200 Franken im Sack. Meine Schwester hatte zu dieser Zeit einen Freund in Kreuzberg, bei dem ich schlafen konnte. Die Spule an meiner Nikon FE war kaputt, so dass es mühsam war, den Film zurück zu spulen. Erschwerend hinzu kam, dass ich nicht fotografieren konnte. Aber ich fotografierte, was mir vor die Linse kam.

 

Zurück in Basel war ich völlig abgebrannt und die Steuerbehörde hatte ihre Forderung massiv erhöht. So wurde ich zunächst Weihnachtsbaum-Verkäufer und etwas später Nachtwächter bei der Firma Securitas.

Zudem durfte ich die belichteten TMax-Filme bei „Kupfi“, dem Leiter des Basler Keystone-Büros, mit D76-Entwickler entwickeln. Er fand meine Bilder schlecht und war der Meinung, dass ich nicht fotografieren könne. Aber ich solle dennoch mit zum Eishockey-Match fahren.

So sind wir mit seinem Subaru im Auftrag von Keystone nach Porrentruy gefahren und ich habe zum ersten Mal versucht, ein Bild zu schiessen, auf dem der Puck zu sehen ist. Anschliessend musste ich die Telefondose aufschrauben, um den Bildsender anzuschliessen. Das funktionierte nicht und so musste ich die beiden Drähte während sieben Minuten von Hand zusammen klemmen – so lange, bis der Bildsender das Schwarzweiss-Bild nach Zürich übertragen hatte.

 

Von da an war ich Fotograf. Zuerst und bis 1998 für die Nachrichtenagenturen und die lokalen Titel. Dann ging ich zur „SonntagsZeitung“ und kam weit in der Welt herum.

 

Seit 2001 bin ich wieder als Freelancer unterwegs. Nachdem ich 2003 zum ersten Mal Vater wurde, habe ich mir ein zweites Standbein aufgebaut. Seither arbeite ich als Fotograf und auch als Bildredaktor. Das ist ein Platzanweiser für Bilder bei einer Redaktion.

 

 

  • * 1967 in Pfäffikon ZH

  • 1983-87 Praktikum als Bauer, Lehre als Zimmermann

  • 1988 erste fotografische Arbeiten

  • 1989 ausgedehnte Reisen nach China, Russland

  • Ab 1989 Arbeit als freier Fotograf für diverse Basler Zeitungen und nationale Titel

  • 1993 ausgedehnte Reise nach China, Tibet

  • 1997 ausgedehnte Reise in die Mongolei

  • 1998-2001 fest angestellter Fotograf bei der „SonntagsZeitung“

  • Ab 1999 zahlreiche Reisen für die „SonntagsZeitung“,
    u.a. auch publiziert im Buch „Die schönsten Reisereportage der Sonntagszeitung“

  • 2000 Food-Reportagen, u.a. erschienen in „Culinarium“

  • Ab 2001 freier Fotograf und Bildredaktor für diverse Titel

  • 2006 Reise nach Indien

  • 2010 Reise in den Tschad

  • 2011-2012 Fotochef und Gründungsmitglied der Basler „Tageswoche“

  • Seit 2013 freier Fotograf für verschiedene Titel, Corporate und Werbung

 

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