Lithium in Bosnien - Abbau mit starkem Nachgang
- Michael Würtenberg

- 3. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 10. Dez. 2025

Text und Bilder von Michael Würtenberg
Während der Corona Pandemie besuchten fremde Männer Jovan Krsmanović auf seinem Hof beim Dorf Gudura, nicht weit von Lopare entfernt, ein Dorf in der Republika Srpska, ein Teil Bosniens. Ein lokaler Geologe erklärte Jovan, dass sie auf seinem Land Goldvorkommen vermuteten, und fragte, ob sie zur Probe bohren dürften. Es gab keine schriftlichen Vereinbarungen – nur das mündliche Versprechen des Geologen, dass anschliessend alles wieder so sein werde wie zuvor. Was die Männer verschwiegen: In Wahrheit suchten sie nach Lithium und handelten im Auftrag des Schweizer Unternehmens Arcore, AG mit Sitz in Zug.
Die Bohrarbeiten dauerten ein halbes Jahr. In dieser Zeit erfuhr Jovan Krsmanović, dass unter seinem fruchtbaren Ackerland ein riesiger Schatz lagert – ein Material, von dem er zuvor noch nie gehört hatte. Warum auch? Jovan ist ein Kleinbauer, der seinen 10-Hektaren-Betrieb vom Vater geerbt hat, und dieser wiederum von seinem Grossvater.
Im Auftrag von Arcore bohrten die Arbeiter bis in eine Tiefe von 240 Metern.
Bläuliche Lake an der Erdoberfläche
Fünf Jahre später ist nichts mehr wie früher. Bei einer Besichtigung im September 2025 dringt leicht bläuliches Wasser aus dem Bohrloch. Das Wasser schmeckt stark salzig. Auf den rund 100 Quadratmetern wächst nichts mehr – nur Kies liegt dort. Jovan berichtet, dass die Ziegen, deren Mägen auf Salz angewiesen sind, gerne an der Salzlake lecken. Die Kühe hingegen machen einen grossen Bogen um die Stelle.

Die Quelle versiegt
Schlimmer ist jedoch, dass die Quelle, die neben dem Bohrloch lag, ein halbes Jahr nach den Probebohrungen versiegte. Das Wasser dieser Quelle hatte den Hof, die Tiere von Jovan Krsmanović sowie den Bauernbetrieb seines Nachbarn während Generationen mit Wasser versorgt.
Damit ist genau jenes Szenario eingetreten, das Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen des Magazins „Nature“ im vergangenen Jahr 65,7 Kilometer weiter östlich in Serbien beobachtet und dokumentiert haben. Dort, in Gornje Nedeljice, unweit der serbischen Stadt Loznica, wollte der anglo-australische Bergbaukonzern Rio Tinto, Lithium fördern.
Rio Tinto gibt in Serbien auf
Fallende Lithium Preise, massive Proteste und die rechtliche Unsicherheit im Reich des serbischen Autokraten Aleksandar Vučić bewogen Rio Tinto dazu, das 2,6-Milliarden-Projekt im November 2025 auf Eis zu legen.

Ein Schweizer Unternehmen im Zentrum
Die Arcore, AG steht im Zentrum des Projekts in Lopare, Bosnien. Laut Handelsregister des Kantons Zug lautet ihr Geschäftszweck: „Durchführung von Handelsgeschäften aller Art, insbesondere mit Maschinen, Apparaten und Immaterialgüterrechten in den Bereichen Geologie und Bergbau sowie Erbringung von damit zusammenhängenden Dienstleistungen“. Das Aktienkapital der Arcore AG beträgt 100 000 Franken.
Um dem Projekt mehr Gewicht zu verleihen, tat sich die Arcore AG mit dem kanadischen Konzern Rock Tech Lithium zusammen - ein bewährtes Vorgehen: Unternehmen wie Arcore beschaffen Abbaulizenzen und verkaufen diese an grössere Player, die über die für einen Abbau im grossen Stil notwendigen Geräte und Kenntnisse verfügen. Beide Firmen planen den Bau einer Lithium-Raffinerie im brandenburgischen Guben.
Arcore gibt sich besorgt
Von all dem weiss Bauer Jovan Krsmanović, dessen Quelle versiegt ist, nichts. Er muss mit den Auswirkungen der Probebohrung leben. Von den Beteuerungen des Schweizer Unternehmens hat er nichts. In einer Pressemitteilung vom November 2023 betont Arcore, wie sehr sich das Unternehmen um die Umweltanliegen der lokalen Bevölkerung kümmere: „Arcore wird bei der Nutzung der Mineralvorkommen auf Grundlage modernster Technologien und höchster Sicherheitsstandards arbeiten, um die ökologischen Auswirkungen auf Luft, Boden und Wasser auf ein absolutes Minimum zu begrenzen.“

Ein Hydrologe warnt
Vladislav Marinković ist Hydrologe und lebt in Smederevo. Bei einem Hintergrundgespräch warnt er eindringlich: „Es gibt keine Möglichkeit, Lithium umweltverträglich abzubauen – schon gar nicht in einem Gebiet wie dem serbischen Jadar-Tal. Mit grosser Sorgfalt ist es zwar möglich, Sondierbohrungen so durchzuführen, dass die verschiedenen Schichten, die durchdrungen werden müssen, um zu den Lithiumvorkommen vorzudringen, nicht durchmischt werden. Es ist auch möglich, die Bohrlöcher der Sondierbohrungen wieder sauber zu verschliessen.“
Doch weder im Jadar-Tal noch im 70 Kilometer entfernten Lopare ist dies geschehen. Das beweist bereits ein einfaches “Tasting”: Wer aus der Pfütze kostet, den überrascht der starke Nachgang.
Mondlandschaft nach Tagebau
Doch es kommt noch schlimmer: Rio Tinto wollte im Serbischen Gornje Nedeljice das begehrte Lithium im Untertagebau fördern. Rock Tech und Arcore hingegen wollen im Tagebau auf einer Fläche von 25 Quadratkilometern über 50 Jahre lang Lithium abbauen. Sollte das Projekt wie geplant Ende 2026 in Betrieb gehen, sind Mondlandschaften und riesige Umweltschäden sicher.

Schon bald Mondlandschaften wie in Majdanpek und Bor? Kupferabbau im Osten Serbiens. Majdanpek September 2022.
Foto: Michael Würtenberg

"Abwassermanagagment" in Bor, Serbien. Dezember 2024. Foto Michael Würtenberg



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