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Am Puls der Generation

  • Autorenbild: Michael Würtenberg
    Michael Würtenberg
  • 13. Apr.
  • 2 Min. Lesezeit

Milan im Wohnzimmer der Eltern mit Ausrüstung. September 2025. Foto: Michael Würtenberg


Sie nennen sich «Puls Generacije» (zu Deutsch «Puls der Generation») und erfinden gerade den Journalismus neu. Milan ist Kunststudent, 24 Jahre alt – ein junger, gebildeter Mann aus gutem Haus. Er gehört zu einer Gruppe von sieben Studentinnen und Studenten, die seit gut einem Jahr mit ihren Handys Polizeigewalt dokumentiert, grosse und kleine Demos in ganz Serbien und alles, was es wert ist, darüber zu berichten. Was sie auszeichnet: Niemand hat Journalismus studiert oder zuvor bei einem Medienunternehmen die Sporen abverdient.

Die Beiträge von «Puls Generacije» sind oft so interessant, dass sie nach der Veröffentlichung auf Instagram und Facebook von «N1», «Nova», «Radar» und anderen Oppositionsmedien weiterverwendet werden. Vermutlich sind sich die Fernsehprofis oft zu schade, bei harten Demonstrationen Kopf und Kragen sowie die Ausrüstung zu riskieren, wenn das junge Leute unentgeltlich für sie tun.

Milan sieht diese Form geistigen Diebstahls entspannt: «Was wir posten, wird auch auf ihrer Seite geteilt. Sie erhalten die Inhalte, und wir gewinnen mehr Aufmerksamkeit für unsere Videos und unsere Sache. Vor allem aber sehen mehr Menschen, was auf der Strasse passiert.»

Die aktuellen Zahlen von «Puls Generacije» sind 49 000 Follower auf Instagram und 196 000 auf Facebook. Das erfolgreichste Video wurde 3 Millionen Mal angeklickt. «Am besten laufen die Videos mit Polizeigewalt und Tränengas», sagt Milan.

Zu Besuch in Belgrad freue ich mich immer, Milan im Šindra, einer charmanten, aber etwas heruntergekommenen Kneipe, auf ein Bier zu treffen und die neuesten Entwicklungen bei den Studentenprotesten zu erfahren – alles in geschliffenem Englisch. Vergangenen September zeigte mir Milan im Wohnzimmer der Eltern die «Journalisten-Ausrüstung»: Ein selbstgemachter Presseausweis, einen Helm, eine FFP3-Maske aus dem Baumarkt, eine Warnweste mit der Aufschrift «Press», ein demoliertes Handy – und ganz viele Videos.


 
 
 

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