Dusan, Gregor und Sava
- Michael Würtenberg

- 13. Sept. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Dusan trägt eine graue Jogginghose, T-Shirt und hat von Gregor und Sava den Wohnsitz und einen Job bekommen.
Es bedarf einer lauten Stimme, um mit Dusan in Kontakt zu treten. Mein Freund und Übersetzer, schreit „Duuuusan“ von der Straße den Berg hoch. Kurz darauf kommt zuerst Pica, die kleine Hündin, angerannt. Pica bellt und knurrt zunächst, scheint sich dann aber doch über den Besuch zu freuen.
Ein drahtiger Mann in grauer Jogginghose und grauem T-Shirt folgt Pica den Abhang herunter. Nach einer herzlichen Begrüssung und Vorstellung steigen wir zu viert den steilen und felsigen Hang hoch zur Quelle, die auch im heissesten Sommer nie versiegt.
Offenbar ist es wichtig, vor der Zeremonie Weihrauch anzuzünden, aber weder Dusan noch ich haben ein Feuerzeug oder Streichhölzer zur Hand. Mladen ist Nichtraucher, was in Serbien eher selten ist.
Ich dachte mir im Vorfeld des Besuchs, dass es sich nicht schickt, in der Gegenwart eines Eremiten und Quellenbeschützers zu rauchen, und liess die Zigaretten und das Feuerzeug im Auto. So kommt es, dass wir beide kein Feuerzeug dabeihaben und Dusan zuerst sein eigenes im Wohnbereich etwas weiter oben holen muss, um die Zeremonie zu starten.
Auf Geheiss sind zuerst die Hände, dann das Gesicht zu waschen, bevor ein Schluck Wasser aus der Quelle getrunken werden darf.
Im Anschluss an die Zeremonie setzen wir uns zu viert in die Höhle, die der Eremit seit 20 Jahren bewohnt. Bevor ich fotografieren darf, macht Dusan etwas Ordnung. Der Eremit wirft ein paar Kleider in das kleine Häuschen, räumt eine leere Bierflasche weg, dann zündet er sich die letzte Zigarette aus der nun leeren „Lucky Strike“-Schachtel an und beginnt zu erzählen:
„Vor 20 Jahren, also im Jahr 2005, hatte ich den ersten Traum: Der heilige St. Gregor gab mir ein Osterei und zeigte mir den Ort, an dem ich künftig leben sollte. Ich fand diesen Ort entlang der Straße von Petrovac nach Majdanpek, unterhalb der einstigen Festung aus dem Mittelalter.“
Geträumt – beschlossen: Bevor der vom heiligen Gregor zugeteilte Wohnsitz bezogen werden konnte, musste das Anliegen abgesegnet werden.
„Ich ging also nach dem Traum mit dem heiligen St. Gregor und dem Osterei zur heiligen Sava. Diese wiederum wird vertreten durch die Äbtissin Veronika im Kloster Gorniak. Sava, vertreten durch Veronika, erteilte mir den Segen, das neue Domizil ohne Kosten zu beziehen.“
Nach ein paar Fotos mit Pica, der Hündin, die nun sehr brav ist, kommt die Frage auf, ob ich nicht doch noch Zigaretten habe.
Wir klettern den Weg herunter. Auf dem Weg zum Auto passieren wir weitere Altäre mit Kreuzen und Kerzen. Mladen, mein Freund und Übersetzer, macht mich darauf aufmerksam, dass eine kleine Spende zum Erhalt der Quellen zwar freiwillig, aber doch angebracht sei.
Ich bin weder getauft noch Mitglied einer religiösen Gemeinschaft oder Kirche. Mladen versichert mir, dass der Segen von Gregor, Sava und den anderen Heiligen der orthodoxen Kirche auch in meinem Fall wirken würde. Deshalb und mit dieser Versicherung hinterlege ich 10 Euro bei einem der zahlreichen Kreuze, entzünde eine Kerze mit Dusans Feuerzeug und wünsche mir etwas.
Beim Auto angekommen rauchen Dusan und ich eine Marlboro, und der Eremit erzählt vom zweiten Traum:
„Vor fünf Jahren erschien mir die heilige Sava und hieß mich, in Zukunft den Quellen Sorge zu tragen und diese zu unterhalten. Seither habe ich unten an der Straße eine weitere Quelle erschlossen und das tropfende Wasser der Höhle weiter oben mit einer Ummauerung gefasst. Das ist meine tägliche Arbeit.“
Ich gebe Dusan meine restlichen Zigaretten. Pica und der Eremit steigen den Berg hoch, und Mladen und ich machen uns auf den Weg zurück nach Petrovac.













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