Energiewende: Rassistisch und menschenverachtend.

Kurz vor N`Djamena musste ich pinkeln, als mir der weisse Toyota Hiace auffiel, angeschrieben mit “Schreinerei Leuzinger GmbH” aus Glarus. Ein sehr gepflegtes Fahrzeug mit Plastik bezogenen Sitzreihen und einem solid geschweissten Dachträger aus Vierkant-Stahlprofilen. Für tschadische Verhältnisse war das ein Neuwagen.

Schweizer Occasionen japanischer Herkunft sind in Afrika sehr begehrt. Wenig Kilometer, gepflegt und gut gewartet. Der alte Transporter aus Glarus war für den jetzigen Besitzer ein gute Investition.

Wer sich im Tschad umschaut, sieht überall Toyota Hiace Transporter in unterschiedlichsten Zuständen. Ziegen, Hühner und Schafe sind auf dem Dachträger fest verzurrt und im Innern finden mindestens 15 Personen Platz. Gebrochene Achsen, geschundene Getriebe oder eine kaputte Zylinderkopfdichtung: Alles kein Problem für die Mechaniker, die in „Schlarpen“ oder barfuss entlang der tschadischen Löcherpisten alles zum Laufen bringen, was nicht mehr fährt.

Jede dieser Reparaturen wäre bei uns das sichere Todesurteil für das Auto – zu aufwändig, zu teuer, chancenlos.

Abgas in Afrika

Denn da wäre noch die Sache mit dem Abgas. Der Hiace der Schreinerei Leuzinger erfüllt nicht einmal Euro 2, geschweigen denn 6d, wie sie neu zugelassene Nutzfahrzeuge der neusten Generation in Deutschland und in der Schweiz aufweisen müssen.

Zurück in der Schweiz schickte ich Schreinermeister Leuzinger ein Bild des Autos. Jahrelang hatte ihn der Hiace zuverlässig und unfallfrei zu seinen Kunden hin und zurück gebracht. Als er 2012 in den Tschad verkauft wurde, hatte „unser geliebter Hiace“, wie Herr Leuzinger sagte, 21 Jahre und knapp 120‘000 Kilometer hinter sich. Leuzinger verkaufte den Wagen einzig, „weil ich ihn nicht mehr durch die Motorfahrzeugkontrolle gebracht hätte“.

Nachdem das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig kürzlich entschied, dass für ältere Dieselfahrzeuge Fahrverbote erlassen werden können, dürfte diese Art von Occasionshandel weiter florieren. Viele Eigentümer von Dieselkarrossen werden ihre Autos mit der Abgasnorm 5 und tiefer abstossen. Die finden sich dann in armen Ländern wie Kamerun, Nigeria und Tschad wieder – überall dort, wo sich die Menschen keine neuen Autos leisten können.

Eine schweflige Sache

Doch damit nicht genug. Damit ein Fahrzeug mit dem minderwertigen Treibstoff, - sogenannte African Quality -, der im Tschad getankt wird, überhaupt fahren kann, müssen Partikelfilter beziehungsweise Katalysatoren entfernt werden – mit verheerenden Folgen für Mensch und Umwelt.

Wie die Nichtregierungsorganisation Public Eye enthüllte, verdienen sich Schweizer Rohstoffunternehmen mit minderwertigen Treibstoffen eine goldene Nase. Der Diesel Afrikas hat einen Schwefelgehalt, der um das Hundertfache über dem in Europa geltenden Grenzwert liegt. Wie Public Eye schreibt, “dürfte nicht ein Tropfen des von uns analysierten Treibstoffs in Europa verkauft werden”.

Mit dem Segen Frankreichs beutet Langzeitdiktator Idriss Déby Itno das Land seit 1990 aus und schöpft dabei die Erdöleinnahmen ab. Denn der Tschad verfügt selbst über grosse Rohstoffvorkommen.

Der Schweizer Konzern Glencore fördert im Süden Tschads jeden Tag 14‘000 Fass Rohöl. Wenn dieser Schatz den richtigen Eigentümern zugutekommen würde, bräuchte das drittärmste Land der Welt keinen Franken Entwicklungshilfe.

Konjunkturprogramm für Betrüger

Währenddessen fördert der Gesetzgeber in Europa Elektroautos, um die alten Stinker von der Strasse zu haben. Wer profitiert? Die Autoindustrie, die uns jahrelang angelogen hat und vermutlich weiter betrügt. Nach der Abwrackprämie, einem Konjunkturprogramm der deutschen Regierung im Jahre 2009, wird sie auch das Fahrverbot für Innenstädte als zweite Chance zur Bereicherung zu nutzen wissen.

Und die Grünen stehen bei dieser Politik in der vordersten Reihe, denn die Luft wird ja wirklich besser: Hier in Europa.

Ein Freund von mir fährt einen Skoda Ocatvia mit Betrugsmotor. Dies, weil Dieselmotoren bei grosser Kilometerleistung wirtschaftlicher sind als Benziner. In Deutschland wird Diesel darum tiefer besteuert als Benzin. Damit ermuntert der Staat die Konsumenten und Konsumentinnen seit Jahren, Selbstzünder zu kaufen.

Von AMAG ein Sackmesser.

Wie reagierte die AMAG, die Hauptimporteurin von VW, Skoda und anderen Marken des Volkswagenkonzern auf den Abgasskandal?

Mein Freund wurde vom Importeur mit milden Worten gebeten, er möge sein Auto in die Garage bringen, um die Betrugssoftware mit einem Update zu überspielen. Als Wiedergutmachung gabs ein Taschenmesser. Zur gleichen Zeit erhielten amerikanische Betrugsopfer von VW die Möglichkeit, ihre Kiste zum Neupreis an den Händler zurückzugeben.

Und: Das Abgasproblem löst sich nicht mit einer neuen Software. Mit dem Programm wird einfach die Performance reduziert oder der Verbrauch des Motors erhöht. Was Abhilfe schafft, sind grössere Ad-Blue-Tanks.

Hi-Fi vs Ad-Blue

Um ein Diesel Fahrzeug sauber zu bewegen, benötigt man eine Stickstofflösung mit dem Namen Ad-Blue, das vor den Katalysator eingespritzt wird. Mit Harnstoff können bei modernen Motoren 90 Prozent der Stickoxide reduziert werden. Nutzfahrzeuge haben deshalb zwei Tanks. Nur mit diesen aufwändigen Massnahmen können Europas Abgasvorschriften wie die Abgasnorm Euro 6d eingehalten werden. Lastwagen, Busse aber auch leichte Nutzfahrzeuge müssen immer neben dem eigentlichen Treibstoff noch mit Ad-Blue betankt werden.

Das ist umständlich und nicht sehr kundenfreundlich.

Wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ enthüllte, trafen sich die Manager der Motorenabteilungen der grossen Autokonzerne seinerzeit, um sich für die Grösse des Ad-Blue-Tanks zu abzusprechen. Der Grund für VWs Betrug war aber nicht die mangelnde Kundenorientierung, sondern die Platzverhältnisse. Mit einem grossen Ad-Blue-Tank und wirksamer Abgasreinigung wäre weniger Platz für teures Zubehör wie Hi-Fi Anlagen e.t.c im Fahrzeug vorhanden, das aufpreispflichtig vermarktet werden kann.

Es ist technisch kein Problem, einen älteren Dieselmotor sauber zu machen. In Deutschland gelang dies bei Kosten von rund 1300 Euro. Schon lange werden Nutzfahrzeuge auf dem Bau mit moderner Abgasreinigung nachgerüstet, um die Mitarbeiter vor giftigen Abgasen zu schützen. In Neu Delhi wurden alle Tuktuk-Fahrer gezwungen, ihre Dreiräder auf Gas umzurüsten. Auch das ist eine bewährte Technologie, die mit dem Einsatz von einigen tausend Franken möglich ist. Es ist möglich, Diesel- und Benzinfahrzeuge mit Erdgas zu fahren. Erdgas hat eine viel bessere Ökobilanz als herkömmliche Treibstoffe.

Kupfer aus Katanga in Köln.

In der Hysterie um die Elektromobilität vergessen Umweltschützer und Umweltschützerinnen gerne, woher die Rohstoffe für die vielen Strom getriebenen Wagen kommen, die dereinst in den sauberen Strassen Europas fahren sollen. Koltan, Nickel, Lithium und Kupfer kommen aus den ärmsten Ländern Afrikas. Eine der grössten Kupferminen der Erde liegt im Kongo und sie wird von Glencore ausgebeutet.

In der reichen Schweiz ist ein Leben ohne Auto möglich. In Deutschlands oder Frankreichs Provinz hingegen ist dies ausgeschlossen.

Die alleinerziehende Mutter in Sachsen, Thüringen, Lille oder Nantes ist auf den alten alten VW Caddy oder Peugeot 205 mit Dieselantrieb angewiesen, um die Kinder in die Krippe zu fahren und dann bei Zeiten zur Arbeit zu kommen. Und nein, diese Menschen haben kein Geld, um ihr altes Auto abzustossen und einen Opel Ampera zu kaufen. Diese Frauen wohnen üblicherweise in günstigen Mietwohnungen, wo sie keinen Einfluss auf den Energieverbrauch haben.

Der Zahnarzt im Umland von Berlin oder München hingegen wird den Zaster aus der Portokasse aufwerfen, um das Dach seines Hauses mit Solarpaneln zuzupflastern und seinen Oberklasse-Audi gegen einen Plugin-Hybryd von Daimler oder Lexus einzutauschen und dann noch von üppigen Subventionen profitieren.

Ist die Lunge eines Kindes in Lagos, N`Djamena oder Yaoundé weniger wert als die eines Kindes in München? Eine solche Energiewende ist rassistisch, menschenverachtend und verwerflich.

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