Der Elch im Wohnwagen.

Der Elch im Wohnwagen war zuviel für die Kupplung - nach der Unterführung an der Langstrasse rauchte sie wie der Wok im Lily‘s um die Ecke. Ein Lämpchen befahl meiner Frau, im Halteverbot an der Militärstrasse sofort anzuhalten. Die ersten zwei Staus am letzten Samstag vor Winterthur konnte ich noch umfahren. Aber von Dietlikon bis nach Zürich ging nichts mehr. Im Milchbucktunnel hörten wir auf Wunsch der hinteren Sitzreihen “An Tagen wie diesen” von den Toten Hosen. Campino und seine Band sollten am Samstag im Letzi Stadion aufspielen. Das war auch ein Grund weshalb der Verkehr und später unsere Kupplung kollabierten. Der Ehekonflikt eskalierte schon früher. Um genau zu sein, als wir neben der stillgelegten Spur im Milchbuck stauten und ich mich lauthals über Heiko Ciceri aufregte. Das ist der Kommunikationsverantwortlicher Dienstabteilung Verkehr der jeden Spurabbau in dieser Stadt kommuniziert und immer sagt, dass alles ganz easy sei. Ich fluchte und brauchte Ausdrücke von denen ich weiss, dass sie meine Frau nicht mag. Der Rat meiner ältesten Tochter, die Augen zu schliessen, von zwanzig an rückwärts zu zählen und an eine Wiese mit vielen Gänseblümchen zu denken, war inmitten des Verkehrslärms im Tunnel schwer umzusetzen. So stiegen Temperatur und Blutdruck in den roten Bereich. Kurz vor dem Limmatplatz forderte mich meine Gemahlin auf, das Auto zu verlassen sie würde jetzt nach Hause fahren. Ich sagte noch, dass das gut zwei Stunden dauern würde. Meine älteste Tochter meinte später, sie hätte sich Sorgen gemacht, ich würde mich zu weiteren Affekthandlungen hinreissen lassen und Polizisten beschimpfen. Das kam so: In den Ferien schauten wir zusammen den Film Hangover 2. Meine beiden älteren Kinder erhöhten den Druck, indem sie argumentierten, sie seien die einzigen der Klasse, die dieses Meisterwerk noch nicht gesehen hätten, obwohl der Streifen erst ab zwölf Jahren freigegeben ist. Neben einigen jugendfreien Szenen gibt es die Episode, in der Teddy (16), ein hochbegbater Medizinstudent und Cellovirtuose, im Drogenrausch eine Strasse in Schutt und Asche legt und die örtliche Polizei mit “fuck the Police” beschimpft. Beim Abwasch sprachen wir später darüber, dass wir den Kleinsten der Familie (er ist sieben, nicht strafmündig und schaute auf dem Tablet Tim und Struppi), dazu anstiften könnten, zu randalieren. Ich meinerseits wendete ein, dass ich davon träume, als Rentner mit dem Stock Polizeiautos zu beschädigen und die Gesetzeshüter zu beschimpfen, denn es brauche viel, bis man einen tüdeligen Greis in Eisen lege und einbuchte. So schnaubte ich also die Langstrasse hinauf und machte im Xenix halt. Nach dem ersten Grossen traf ich Goran. Zwei weitere Drinks später war ich wieder sozialverträglich und fuhr nach Hause. Kurz darauf kam zuerst unser Auto und dann der Wohnwagen, im Schlepptau eines knallgelben Road-Help-Karrens, mit blinkendem Warnlicht. Aus sicherer Distanz und mit einer Stange in der Hand beurteilte ich die Lage aus der Beiz nebenan. Der Pulverdampf hatte sich verzogen. Rückblickend wäre es für uns billiger und für die Kupplung besser gewesen, auf der freien Spur im Milchbuck-Tunnel anzuhalten, Tische und die Stühle aufzustellen, ein kühles Bier zu öffnen und ein paar Elchsteaks aus dem Kühlschrank des Caravans zu braten.

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